Ludwig Thoma – Lausbub mit schmutziger Weste
Lesung mit Gerhard Luber und den Con-Brio-Hölzern
Wir alle – zumindest diejenigen, die einer älteren Generation angehören – kennen seine Geschichten: den „Münchner im Himmel“, der sein Manna so gar nicht genießen wollte, den frömmelnden Studienprofessor „Kindlein“ aus den Lausbubengeschichten, dessen Aloysius die Nase fehlte, die kratzbürstige „Tante Frieda“, die immer neuen Kinderstreichen zum Opfer fiel. Wir alle verzweifelten an der vertrackten Entzifferung der Rechtschreibung des „Filser-Briefwexels“ oder folgten schmunzelnd „Peter Spanningers Liebesabenteuern“. Zweifellos, Ludwig Thoma hat hübsche Geschichten geschrieben, hat Personentypen pointiert charakterisiert und Stimmungen mit feiner Feder gezeichnet. Viele seiner teils subtilen, teils ironisch gebrochenen Darstellungen typischer Verhaltensweisen sind heute noch aktuell und prägen die „Mir-san-mir“-Mentalität der (Ober-)Bayern. Und doch gibt es einen ganz anderen Ludwig Thoma, einen, der mit abgrundtiefer Verachtung über Republik und Demokraten und mit ordinärem Hass über alles Jüdische herfiel.
Die Lesung im Wörther Bürgersaal will die verschiedenen Seiten des Dichters beleuchten: die unterhaltsame, gesellschaftskritische Seite der Erzählungen und Gedichte genauso wie die tiefgründige Seite der großen Bauernromane und eben auch die abscheuliche Seite der späten Schmutzpamphlete. So soll ein ganzes, ein kritisches Bild des einstmals so unangefochten bewunderten Literaten entstehen. Dieses Bild wird von den Musikbeiträgen der Con-Brio-Hölzer einfühlsam kommentiert und farbenreich bestätigt.
DIE AUSFÜHRENDEN:
Die „Con-Brio-Hölzer“ Axel Weihprecht, Helmut Kennerknecht (Klarinetten) und Friedemann Wolpold (Fagott) sind allesamt Mitglieder des Würzburger Sinfonieorchesters Con Brio. Auch Gerhard Luber gehört dem Con Brio an. Als gebürtiger Münchner und langjähriger Deggendorfer ist er mit Ludwig Thoma und den mundartlichen Feinheiten seiner Texte bestens vertraut.
Einlass ab 19:00 Uhr